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Abziehbilder richtig angebracht
Report to Moderator Alt 05.01.2011 00:32
NogegoN NogegoN ist offline
 
Kategorie/Category: Grundlagen
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Schwierigkeitsgrad/Severity: leicht/easy
Sprache: Deutsch/German
Abziehbilder (auch Decal genannt) sind bedruckte Folien, die dank eines Klebefilms auf der Rückseite und etwas Wasser auf glatte Oberflächen aufgebracht werden können. Die Anwendung ist kinderleicht - selbst die Kleinen können damit schon Ostereier verzieren. Neben Wasserschiebebildern gibt es noch trocken zu verwendende Abreibebilder (neudeutsch dry transfers), gewöhnliche Abreibebuchstaben z. B. oder Wappenmotive von Andrea. Außerdem gibt es noch eine ganz seltene Sorte von Hybriden, die zuerst auf eine Folie gerubbelt und dann feucht übertragen werden. Klingt wie schwarze Kunst, ist es irgendwie auch. Archer Dry Transfers hat einige davon im Programm.

Für ein professionelles Ergebnis sollte man ein paar kleine Tricks beachten:

- Zuerst mal immer die Anleitung lesen. Gute Hersteller liefern in der Regel eine brauchbare und illustrierte Gebrauchsanweisung mit.

- Es gibt sehr nützliche Hilfsmittel zum seidenglatten Auftrag von Abziehbildern. Gern verwendet werden sogenannte Weichmacher, mit denen sich das Abziehbild optimal an die Unterlage anschmiegt. Weichmacher (oft "Decal softener", "Setting solution" oder ähnlich genannt) haben die meisten Modellbau-Farbenhersteller (Humbrol, Gunze etc.) im Sortiment. Die meisten sind eher mild, was bei der Qualität heutiger Abziehbilder völlig ausreichend ist. Aber auch für dicke und besonders störrische Decals gibt es eine Lösung: Daco Strong von Daco, einem belgischen Hersteller. Was die nicht schafft, schafft keine - es ist der stärkste Weichmacher überhaupt.

Außerdem gibt es Kombinationsprodukte mit einer 2. Lösung, die später auf das angebrachte Abziehbild aufgetragen wird, den Trägerfilm teilweise auflöst und es nochmal richtig mit dem Untergrund verschweißt. So etwas sind z. B. Microset und Microsol. Microset (blaue Flasche) hilft beim Aufkleben der Abziehbilder. Microsol (rote Flasche) löst den Trägerfilm hinterher noch einmal an, damit sich das Abziehbild komplett auch an schwierige Oberflächen anschmiegt. Ich verwechsel immer, was was macht, aber es steht zum Glück noch mal genau auf den Flaschen drauf. Diese beiden Mittel sind sehr gut, ich kann sie aus eigener und der Erfahrung vieler Modellbaufreunde wärmstens empfehlen. Gibt es in besseren Modellbauläden und auch im Versandhandel.

- Zu unebene Stellen sind nicht für Abziehbilder geeignet. Bei runden Oberflächen hilft es, das Abziehbild leicht einzuschneiden, damit es sich faltenfrei auf die Oberfläche legen kann. Wellblechoberflächen sind leider ein Problemfall, für den es keine Lösung gibt. Bei Spalten am Modell sollte man das Abziehbild nach dem Auftrag mit einem Skalpellschnitt durchtrennen. Es liegt dann auf Dauer besser an und sieht auch besser aus.

- Manche Abziehbilder sind nicht deckend gedruckt. Mitunter sind mehrteilige Abziehbilder auch nicht allzu paßgenau und lassen Stellen frei. Hier sollte man vorher die entsprechenden Partien am Modell mit einer zum Abziehbild passenden Farbe bemalen.

- Vergilbte Abziehbilder werden wieder hell, wenn man sie in einer Zip-Lock-Tüte draußen auf dem Fensterbrett in die Sonne legt. Das UV-Licht wirkt bleichend.

- Selbstgedruckte Abziehbilder und auch manche von Kleinserienherstellern müssen vor dem Einweichen erst auf dem Trägerpapier lackiert werden, weil sie sich sonst auflösen. Vorsichtshalber sollte man das auch mit allen Abziehbildern von Herstellern machen, bei denen Probleme a la Zerfall bei Wasserkontakt bekannt sind. Trifft leider oft auf Abziehbilder aus Osteuropa zu.


Die Verarbeitung:

1. Vorbereitung:
Zuerst wird die Mini bemalt (logisch). Für ein Abziehbild ist ein glänzender Untergrund optimal. Dadurch wird die Trägerfolie nämlich beinahe unsichtbar. Also entweder mit Glanzfarben malen oder an den nötigen Stellen Glanzlack oder Future aufpinseln. Abziehbilder sollte man prinzipiell möglichst eng entlang des Motivs ausschneiden. Je weniger Trägerfolie, desto weniger ist davon später störend sichtbar. Große Abziehbilder kann man auch teilen. Bei Abziehbildern für gewölbte Flächen sind gelegentlich auch Einschnitte vom Rand her sinnvoll, damit sie sich besser anpassen können.

2. Wässern:
Lauwarmes Wasser in einer sauberen Schüssel oder Untertasse reicht. Beim Wässern immer die Zeitangaben des Herstellers beachten! Manche Abziehbilder dürfen nur kurz ins Wasser, andere brauchen ziemlich lange. Wenn sie sich ablösen wollen, ist es richtig. Wenn sie wegschwimmen, war es schon zu lange. Zum Rausnehmen eine Pinzette benutzen und Abziehbild samt Trägerpapier an einem Ende greifen. Wenn man sie in der Mitte anpackt, rollen sie sich gern mal zusammen oder um die Pinzette oder so.
In der Zeit, wo das Abziehbild wässert, ggf. das Hilfsmittel (Weichmacher) am Modell aufpinseln.

3. Aufbringen:
Trägerpapier an die gewünschte Position bringen. Das Abziehbild mit einem Stäbchen oder Schwämmchen sanft andrücken und das Trägerpapier drunter wegziehen. Der Trick ist, nicht so stark zu drücken, daß das Abziehbild am Werkzeug kleben bleibt. Dann im feuchten Zustand ausrichten. Ggf. noch etwas Wasser oder Hilfsmittel zugeben, damit es sich bewegen läßt. Manche Abziehbilder kleben leider ganz schnell fest oder sind reißempfindlich.

4. Trocknen:
Luftblasen sollte man mit einem Skalpell o. ä. aufpieken, damit das Decal schön glatt aufliegt. Überschüssiges Wasser mit einem Schwämmchen o. ä. abtupfen und dann in Ruhe trocknen lassen.

5. Nachbehandlung:
Jetzt kommt ggf. das 2. Hilfsmittel zur Anwendung, das das Abziehbild richtig festklebt. Nach Anleitung auftragen UND DANN FINGER WEG. Es gibt ziemlich dramatische Blasen etc., aber man darf das Abziehbild jetzt unter keinen Umständen berühren! Das Bindemittel weicht es nämlich vorübergehend auf, damit es sich optimal mit dem Untergrund verbinden kann. Nach einigen Stunden ist der Spuk vorbei und das Abziehbild sollte nahtlos und wie gemalt auf dem Modell aufliegen

6. Schlußlackierung:
Immer glänzend überlackieren, dann wird sogar matter Trägerfilm unsichtbar. Hinterher kann man auf Wunsch noch mattlackieren. Abziehbilder sind etwas empfindlicher als die Farbe. Der Lack verhindert Beschädigungen und ermöglicht bei Bedarf eine weitere Bemalung bzw. Alterung der Fläche.


Das sind eigentlich die wichtigsten Punkte. Wenn das Abziehbild bzw. der Trägerfilm weißlich glänzt ("silbern"), dann ist da Luft drunter. Deshalb immer auf Glanzlack aufbringen, der ist im Gegensatz zu Mattlack schön glatt, und hinterher überlackieren. Achtung: Einige Lacke (z. B. von Gunze) enthalten Lösemittel, die Abziehbilder angreifen. Es gibt leider teilweise recht erhebliche Qualitätsunterschiede bei den Abziehbildern. Manche sind einfach super (die von Revell z. B.), aber es gibt auch sehr dicke und störrische Abziehbilder (meist in Billigbausätzen), die erst nicht auf das Modell wollen und hinterher dann gern silbern
Ach ja, sollte ein Abziehbild sich später wieder ablösen wollen: Verdünnter Weißleim klebt es wieder an. Solche Probleme hatte ich aber nicht mehr, seit ich die Micro-Produkte verwende.

Wünsche viel Erfolg!

Gruß NogegoN
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GODZILLA World Destruction Tour 2014

Sternenstaub - Wo Feen und Magier ihre Utensilien finden. Der Wegweiser für jedermann auf meiner Werkbank.
2014 34 Tabletopminis bemalt.
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