Vorwort:

Ich habe mich entschlossen ein Tutorial über eine der wichtigsten Fragen, die uns Miniaturenmaler bewegt, zu schreiben: "Wie bekomme ich ein gutes Blending hin?" Um die Wahrheit zu sagen: "Da gibt es eine Menge Wege." Ich beschreibe hier aber nur die am weitesten verbreiteten Vorgehensweisen und natürlich meine eigene spezielle Art ein Blending zu malen.

Ich möchte nur anregen und einige der Möglichkeiten aufzeigen. Das Tutorial enthält somit also keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit oder darauf der Weisheit letzter Schluss zu sein. Ich möchte nur ein paar meiner Erfahrungen weitergeben und teilen.

Dieser erste Teil des Tutorial befasst sich mit grundlegendem Basiswissen über Acrylfarben und ihre Anwendung in der Miniaturen Malerei. Wichtig für jeden Malanfänger aber vielleicht auch interessant für den Fortgeschrittenen. Desweiteren erkläre ich hier eine spezielle Art von Palette, die ich verwende: Die Eispalette.


Blending verstehen:

Zuerst müssen wir uns fragen: Was ist ein Blending überhaupt? Ein Blending ist ein stufenloser Farbverlauf zwischen 2 Farben. Eine Farbe verschmilzt (to blend) mit einer anderen und zwischen den beiden Extremen befinden sich eine Reihe von Mitteltönen welche die beiden Extreme verbinden und was wir sehen ist ein feiner Farbverlauf, diesen nennt man Blending. Man kann ein Blending zwischen Schwarz und Weiß malen welches dann aus verschieden hellen/dunklen Grautönen besteht. Je näher am Schwarz desto dunkler, je näher am Weiß desto heller.



Man erreicht so einen Farbverlauf mit Acrylfarben indem man sie nass in nass (Wetblending), schnell auf der Figur ineinander wischt oder durch sich überlappende, transparente Schichten (Layering), durch das Nebeneinanderlegen ähnlicher aber kontinuierlich heller werdenden Farben und last but not least durch akribisches Ausarbeiten mit verdünnten Farben und dem sogenannten Kreuzstrich, doch dazu mehr im zweiten Teil des Blending Tutorials.

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Wenn wir ein Blending auf einer Miniatur malen wollen, stellt sich zuerst die Frage: Wieviele Farben brauche ich? Und welche? Ich habe im Laufe der Jahre Erfahrungen gesammelt und für mich einen Weg gefunden der gut funktioniert. Die Basis Technik wurde mir vor Jahren von Darkstar beigebracht. Darkstar ist ein fantastischer amerikanischer Miniaturenmaler und ein sehr guter Freund von mir.
Er empfahl mir wenigstens 7 verschiedene Farbtöne zu verwenden um ein Blending zu malen. Je mehr Zwischentöne man verwendet desto leichter gelingt es einen möglichst feinen und tiefen Farbverlauf zu malen.

Ich fand heraus das die Anzahl der verschiedenen Farbtöne auch abhängig ist von der Größe des Details das man bemalen möchte. Bei sehr kleinen Details reichen 3 - 4 Farbtöne, bei mittelgroßen 5 - 6 und bei größeren dürfen es 7 - 8 sein. Wenn ihr 4 - 7 Farbtöne nehmt sollte aber schon das Meiste gelingen. Es hängt auch ein wenig von der Größe des Sculpts ab wieviel Farbtöne man braucht.

Für ein Blending mit geringerer Tiefe benötigt man weniger Farbtöne (3 - 5) und für Blendings mit viel Tiefe benötigt man mehr 5 - 8 .Wieviele genau im speziellen Fall müsst ihr durch Ausprobieren heraus finden. Aber man merkt schnell ob noch Zwischentöne fehlen, wenn man mit der Methode die ich hier beschreibe arbeitet.
Da 5 – 7 Farbtöne schon gute Ergebnisse liefern sind die meisten Beispiele hier auch mit 5 – 7 Farbtönen dargestellt.


Um heraus zu finden wieviele Farben man benötigt und welche werde ich das Blending auf dem ersten Bild aufteilen in 7 Abschnitte.



Es ist nicht notwendig Schwarz, Weiß und 5 verschiedene Grautöne zu kaufen. Schwarz und Weiß genügen. Ihr könnt euch alle notwendigen Zwischentöne aus dem Schwarz und Weiß selber anmischen.

Die Unterbrechungen im Farbverlauf sind recht stark bei einer Deckungskraft von 100%. So würde es aussehen wenn ich die Farben vollkomen unverdünnt auftragen würde. Die Absätze im Farbverlauf wären selbst für einen groben ersten Farbverlauf zu auffällig weshalb ich mit etwas verdünnten Farben arbeite für den ersten groben Verlauf. Die Transparenz würde ungefähr 70% betragen. Flüssig, sahnig aber relativ deckend.

Aber um die Theorie die dahinter steckt anschaulicher zu machen hier nur mal spaßeshalber der Versuch herauszufinden wieviele Farbtöne man mit 100% deckenden Farben bräuchte um einen feineren Farbverlauf zu erzeugen indem man mehr Farbtöne nebeneinander legt.



10 Farbabstufunen mit vollkommen deckender Farbe würden nebeneinander gelegt einen feineren Verlauf bilden, als die 7 Farbtöne zuvor. Das heisst: Je mehr Farbabstufungen man unterbringen kann auf einem Detail, desto einfacher gelingt das Blending. Die Absätze im Verlauf werden also weniger auffällig je mehr Farbtöne man verwedet.

Da wir auf der Miniatur aber nicht unendlich viel Platz haben ist es nicht empfehlenswert zu versuchen zuviele Farbtöne nebeneinander zu platzieren. Weshalb auch recht selten unverdünnte Acrylfarben in der Miniaturen Malerei verwendet werden. Dadurch das man die Farben verdünnt anwendet kann man die Anzahl der Farbtöne reduzieren auf maximal 7 - 8 bei Farbverläufen die einen extrem hohen Tiefenkontrast haben wie dieser hier mit Schwarz und Weiß als Extremen. Somit könnt ihr euch gut vorstellen das man für andere Farbverläufe (mit weniger Tiefe) nur 5 – 7 Farbtöne benötigt.

Transparente und deckende Farbaufträge:

Acrylfarben können sowohl stark verdünnt als transparenter Farbauftrag verwendet werden sowie in dickerer Konsistenz als stärker deckender Farbauftrag. Das hängt ganz davon ab was man damit machen möchte. Zum Aussoften von Farbverläufen sind transparente, dünne Farben geeignet aber um möglichst schnell Tiefe zu erzeugen sind dickere, deckendere Farben nötig.

Ich kann es auf den folgenden Bildern erklären:

Auf diesem Bild habe ich eine Deckungskraft von 100% verwendet. Heißt: Ich habe vollkommen deckende Farben verwendet. Ihr könnt sehen daß deutliche Grenzen zwischen den Farben erkennbar sind.



Nun reduziere ich die Deckungskraft auf 80%




Und hier habe ich die Deckkraft auf 60% reduziert




Man kann gut sehen das bei geringerer Deckkraft (verdünnte Farben) zwar die Grenzen zwischen den Farbtönen weicher werden aber auch der Tiefenkontrast des ganzen Farbverlaufes immer weniger wird.

Daraus ergibt sich:

- Dickere, deckendere Farben bringen schnell einen hohen Tiefenkontrast aber hinterlassen unschöne Absätze im Farbverlauf.

- Dünne, transparente Farben erzeugen schon eher das was wir wollen nämlich weiche Übergänge zwischen den einzelnen Farben, aber der Tiefenkontrast ist sehr schwach.

- Farben von mittlerer Konsistenz decken einigermaßen, bringen relativ schnell Tiefe und hinterlassen zumindest akzeptable Absätze.

Somit wäre es klug alle Konsistenzen zum Malen zu verwenden. Wir können die Eigenschaften aller Konsistenzen zu unserem Vorteil nutzen. Es gibt keine richtige oder falsche Konsistenz. Es gibt nur: Die richtige Konsistenz, falsch angewendet. Jede Konsistenz hat ihre Vor – und Nachteile und kann für einen bestimmten Zweck sinnvoll eingesetzt werden.

Grundsätzlich kann aber gesagt werden dass eine sinnvolle Arbeitsweise darin besteht mit dickeren, deckenderen Farben zunächst einen groben Farbverlauf (mit Absätzen) zu malen, der aber schon einiges an Tiefenkontrast hat und danach dann zunehmend die Farben zu verdünnen und mit Schichten/Layering und Kreuzstrich das Blending zu verfeinern, auszuarbeiten. Mehr dazu in Teil 2 des Blending Tutorials.

Tiefenkontrast:

Was genau versteht man unter Tiefenkontrast (Tiefe) und warum ist es wichtig für das Malen und für das Blenden?

Der Maximale Tiefenkontrast den ein Farbverlauf haben kann stellt einen Farbverlauf von purem Schwarz bis zum puren Weiß dar. Dunkler als Schwarz geht nicht und heller als Weiß geht auch nicht.

Wenn ich nun an den Enden ein oder sogar zwei Extreme entferne verringert sich der Tiefenkontrast entsprechend.

Ohne Schwarz:



Und das Weiß auch noch weggenommen:



Blendings mit geringerem Tiefenkontrast sind wesentlich einfacher zu malen als solche mit hohem Tiefenkontrast. Gut zu wissen für den Malanfänger. Anfänger sollten erst einmal versuchen ein Blending zu verstehen und zu malen ohne viel Rücksicht auf die Tiefe zu nehmen. Das wäre zumindest meine Empfehlung.

Wenn ich nun das letzte Blending in 7 einzelne Farbtöne aufteile und eine Deckungskraft von 100% verwende, sähe das so aus:



Man kann gut sehen dass alleine dadurch das die Extreme (Schwarz/Weiß) hier entfallen, bei 7 Farbtönen mit deckender Farbe, bereits ein feinerer Farbverlauf entsteht als bei dem Beispiel mit Schwarz und Weiß.


Daraus ergibt sich ein weiterer Schluss, der wichtig ist zu wissen:

- Je geringer der angestrebte Tiefenkontrast ist, desto weniger einzelne Farbtöne werden benötigt um einen feinen Verlauf zu malen. Ein weiterer Schluss ist: Verwendet man mehr einzelne Farbtöne wird es noch einfacher den Farbverlauf fein zu bekommen. Das allereinfachste ist also ein Farbverlauf ohne Extreme, flach (wenig Tiefenkontrast) unter der Verwendung von sovielen Farbtönen wie möglich (hängt von der Größe des Sculpts, der Pinselgröße und dem Geschick des Malers ab.)

- Daraus ergibt sich aber auch: Je höher der angestrebte Tiefenkontrast ist desto mehr einzelne Farbtöne werden benötigt.


Die grafischen Darstellungen hier zeigen keine feinen Farbverläufe sondern sind absichtlich mit Unterbrechungen im Farbverlauf dargestellt damit der Leser versteht das ein Blending nichts weiter ist als aneinandergereihte Farbtöne.

Diese Farbtöne müssen allerdings gewisse Bedingungen erfüllen damit das Projekt Blending funktioniert.

Die Bedingungen sind:

Bei einem Blending das den Übergang von Schatten zu Licht darstellen soll (ein und dieselbe Farbe wechselt von dunkel zu hell) :

- Jeder Farbton muss etwas heller sein als der vorangegangene und etwas dunkler als der nächste sein.

- Alle Farbtöne sollten einen ähnlichen Sättigungsgrad (Farbintensität) haben oder zumindest eine Verbindung zu den unmittelbaren Nachbar Farbtönen.

- Jeder Farbton muss mit dem vorangegangenen und dem nachfolgenden verbunden sein.

- Es soll ein gleichmäßiger Farbverlauf auf der Palette entstehen. Es dürfen auch auf der Palette keine allzu harten, abrupten Unterschiede im Farbton auftreten. Nicht in der Helligkeit, nicht in der Sättigung und nicht im Farbton.

Bei einem Blending daß nur einen Farbwechsel darstellt (Rot wird zu Grün zum Beispiel) :

- Jeder Farbton muss mit dem vorangegangenen und nachfolgenden verbunden sein.

- In die Basisfarbe (zum Beispiel rot) wird immer mehr von der zweiten Farbe (zum Beispiel Grün) beigemischt. Erst wenig und dann immer mehr bis es die zweite Farbe (Grün) pur ist.

Das richtige Mischen ist ausschlaggebend und keine Nebensächlichkeit!!!

Was auf der Palette stufig und ungleichmässig aussieht, wird auf der Mini erst recht stufig und ungleichmässig aussehen.

Zurück zu der Frage warum denn überhaupt viel Tiefe wenn weniger Tiefe einfacher zu malen ist? Das kann man halten wie man möchte. Wer mit weniger Kontrast zufrieden ist nimmt weniger Farben, hat weniger Arbeit und ist schneller fertig. Wer mehr Kontrast möchte nimmt mehr Farben, hat mehr Arbeit und malt länger. Es ist reine Geschmacks und Motivations Sache. Aber auch der, der weniger Farben verwendet muss sie eben so gut durchmischen wie derjenige der kontrastreichere Farbverläufe anstrebt.

Flachere Verläufe: Braucht man für Stoffe, normales Leinen, Baumwolle, Wolle usw.

Ein hoher Tiefenkontrast: Wird benötigt für die Darstellung von Metal (NMM - Non Metallic Metal Technik), Samt und Seide, Haare die richtig glänzen sollen. Eben alles was BÄM machen soll

Insgesamt bekommt eine Miniatur bei der ein sehr hoher Tiefenkontrast angestrebt wurde in der Regel bessere Bewertungen auf Internetseiten wo man seine Miniatur bewerten lassen kann, weil das einfach diesen BÄM Effekt ausmacht, professioneller aussieht und ja tatsächlich auch sehr viel schwieriger zu malen ist und eine viel höhere Arbeitszeit benötigt.

Weiter geht es hier:

Blending Tutorial Teil 1b - Farben mischen