Artikel: Farben verdünnen WIP

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    Farben verdünnen WIP

    Schwierigkeitsgrad/Severity
    mittel/middle
    Sprache/Language
    Deutsch/German
    Hier ein Tutorial zum Thema Farbe verdünnen. Das Tut ist noch sehr WIP und eine Zusammenfassung mehrere Artikel und Postings von Goatman, Mark und mir.
    Farbe verdünnen
    Grundlagen
    Grundsätzlich sollten alle Farben verdünnt werden
    Der Grad der Verdünnung richtet sich nach dem Pigmentierungsgrad der Farbe und der Anwendung und lässt sich nicht pauschalisieren.
    Für das Verdünnen kann normales Leitungswasser verwendet werden. Manche Gegenden Deutschlands haben ein sehr kalkhaltiges und mineralreiches Wasser, hier hat sich destilliertes Wasser bewährt. Damit immer die gleiche Menge Wasser zur Verdünnung benützt wird, ist es von Vorteil sich ein Plastikfläschchen mit Kanüle aus dem Modellbaubedarf zu besorgen, hier kann bequem die Anzahl der Tropfen abgezählt werden, so werden die Farben nicht zu dünn und nicht zu dick, sondern immer genau richtig.

    Es sollte zusätzlich ein Tropfen Spüli in das Malwasser gegeben werden. Dieser senkt die Oberflächenspannung und verhindert somit die Schlierenbildung. Um die Farbe auch über einen längeren Zeitraum auf einem konstanten Verdünnungsgrad zu halten, empfiehlt sich der Einsatz einer Nasspalette.
    Nasspalette
    Die Nasspalette setzt sich zusammen aus einer Palette (Tablett SLUGIS von IKEA, Prod.Nr. 266.971.10), drei bis vier Lagen ZEWA und einem Stück Backpapier. Das ZEWA in der Palette komplett mit Wasser getränkt inkl. einer bedeckenden Schicht. Dadurch saugt es sich komplett voll. Das überschüssige Wasser wird abgeschüttet und das Backpapier auf das ZEWA gelegt. Wichtig hier es sollte ein Wasserfilm auf dem ZEWA sein und man sollte das Backpapier auf der Oberfläche mit nassen Fingern benetzen. Auf dem Backpapier kann man nun bequem seine Farben anmischen. Durch das Backpapier ziehen die Farben ständig das Wasser aus dem ZEWA, wodurch sie über einen längeren Zeitraum verdünnt werden und nicht antrocknen können.


    Beispiel Verdünnungen
    Folgende Größenordnungen beziehen sich aufs Volumen = ein Tropfen Farbe = ein Tropfen Wasser. Als Farbe dienen hier Beispielhaft halbpigmentierte Farben wie z.B. Citadel Colour

    Reperatur = 1:0 Bild 1
    Drybrushing / Finelining = 1:1 Bild 1
    Grundfarbe = 1:2 - 1:3 Bild 2
    Standardverdünnung Blending in der Nähe der Grundfarbe 1:4 - 1:5 Bild 3
    Standardverdünnung Blending mit starkem Kontrast zur Grundfarbe 1:6 - 1:7 Bild 3
    Lasur 1:8 - 1:10 Bild 4

    Die Farbe aus dem Farbdöschen Bild 1
    Mit Farben direkt aus dem Döschen sollte in der Regel nicht gemalt werden, da diese zwar gut decken, aber auch die Feinheiten der Figur übermalt werden können. Außerdem sind hier die Pinselstriche in der Farbe gut sichtbar. Spontan fällt mir nur die Anwendung in Reperaturen bei Lackabplatzungen ein. Hier muss jedoch anschleißend noch mal mit 600 – 1000er Nassschleifpapier nachgeschlieffen werden und die Farbe dient nur als Füller und Grundierung.
    In leichter Verdünnung 1:1 kann konzentrierte Farbe Anwendung beim Drybrsuhing oder Finelineing finden. In beiden Fällen ist konzentrierte Farbe nötig, um schnell deckende Ergebnisse zu erzielen.

    Die Grundfarbe Bild 2
    Ein gutes Mischverhältnis für die erste deckende Farbschicht ist 1:2 (ein Tropfen Farbe auf zwei Tropfen Wasser). Dies gibt eine Konsistenz etwa wie Milch. Mit dieser Mischung ist ein schöner deckender, aber nicht zukleisternder Basisauftrag möglich. Hier gilt die Regel, lieber zwei bis drei dünne Schichten, als eine zu dicke.

    Aufhell- und Abschattierfarbe Bild 3
    Das stufenlose Aufhellen und Abschattieren von Farbe ist die Grundlage des Blendings und damit das Ziel eines jeden Malers. Dies kann nur durch das Verdünnen der Farbe erreicht werden. Nachdem die Basisfarbe trocken ist, wird für das Aufhellen im Mischungsverhältnis 1:4 bis 1:7 verdünnt. Bei diesen Mischungen ist der Auftrag schon etwas transparenter, d.h. die untere Farbschicht scheint noch ganz leicht durch. Daraus ergibt sich eine kontrastabhängige Verdünnung. Farben nahe der Grundfarbe können weniger verdünnt werden. Mit zunehmendem Kontrast wie z.B. den starken Schattierungen (Shades) und Aufhellungen (Highlights) muss stärker verdünnt werden. Mit dieser Mischung können nun die erforderlichen Schichten der Aufhellung und des Abschattierens vorgenommen werden.
    Lasuren Bild 4. Diese Verdünnung im Verhältnis 1:8 bis 1:10 ist für viele Maler der Schlüssel zum Erfolg. Hiermit kann man gezielt Stellen leicht nachtönen oder aufhellen oder Effekte einarbeiten. Die Mischung hat nur wenige Farbpigmente und eignet sich für diesen Zweck ideal. Sie ist sehr gut geeignet, um nochmals etwaige sichtbare Übergänge der vorherigen Schichten auszusoften.

    Spezielle Verdünnungen
    Bei manchen Farben und Effekten lohnt es sich zusätzlich mit Klarlack (Matt oder Glanz je nach Anwendung) zu verdünnen. z.B. verdünne ich Weiß und Gelb mit Vallejo Matt Medium um den kreidigen Effekt beim Verdünnen zu minimieren und Hautfabenlasuren mit Glanzlack um dem ganzen eine fettige Note zu geben.

    Abstreifen
    Für alle Verdünnungen gilt, dass der Pinsel kurz an einem Tempo oder Tuch abgestreift wird, um ein zuviel an Farbe zu entfernen. Hierdurch wird vermieden, dass die Figur mit Farbe überflutet wird.
    Durch das Verdünnen der Farbe wird die Farbe dünnflüssiger und der Pinsel saugt sich damit voll. Geht man jetzt direkt an die Figur, dann läuft einem die Farbe einfach davon, oder es entstehen Tropfen oder Wasserschlieren auf der Figur. Die Farbpigmente bleiben im Wasser gelöst und konzentrieren sich in den Randbereichen von Schlieren und Tropfen. Das ganze trocknet dann nur sehr langsam und die inhomogene Verteilung der Pigmente hinterlässt dann unschöne Flecken.
    Das ganze passiert nicht wenn man den Pinsel sorgfältig abstreift.



    Dazu verwendet man im einfachsten Fall ein Taschentuch oder ganz professionell fusselfreie Tücher für optische Gerätschaften. Taschentücher haben den Nachteil, dass sich kleine Fasern ablösen und dann auf die Figur übertragen werden. Diese Fussel sorgen dann für eine unschöne Oberfläche und stören beim Malen.
    Beim Abstreifen sollte man unbedingt darauf achten, dass das Tuch den Grossteil der Flüssigkeit aus dem Pinsel zieht. Der Pinsel sollte nahezu keine Flüssigkeit mehr enthalten. Wenn richtig abgestreift wurde, sollte nur ein dünner feuchter farbiger Film entstehen, der sofort abtrocknet. Mit den Pigmenten und der Restflüssigkeit im Pinsel kann man problemlos viele dünne Schichten auftragen.



    Malen mit verdünnter Farbe
    Das Malen mit verdünnter Farbe bereitet oft Schwierigkeiten wegen der Schlierenbildung, die bevorzugt beim Malen mit verdünnter Farbe auftritt.

    Schlieren
    Diese entstehen durch inhomogene Pigmentverteilungen in der verdünnten Farbe, verursacht durch die Oberflächenspannung des Wassers und der Pinselbewegung. Erstere sorgt dafür, dass sich Pigmente am Rand eines Farbtropfens oder eines Flüssigkeitsfilms akkumulieren. Sie sammeln sich dort und die höhere Pigmentdichte wird sichtbar in einer Schliere, im Fall eines Farbtropfens als Kreis, im Fall des Farbfilms als Linie. Die Inhomogenitäten müssen minimiert werden, denn Vermeiden lassen sie sich nicht. Es gibt aber ein paar Tricks wie man mit ihnen Leben kann.
    Es wurden bereits eine wichtige Massnahmen um die Schlierenbildung zu vermeiden genannt, die im Vorfeld unternommen werden sollten:
    - Oberflächenspannung des Wassers herabsetzen
    - Farbe abhängig von Anwendung und Kontrast verdünnen
    - Pinsel vor dem Malen immer abstreifen
    - einen dünnen Farbfilm auftragen der schnell trocknet bevor Pigmente akkumulieren
    Nachfolgende Punkte beziehen sich auf die Vermeidung der Schlierenbildung während des Malvorganges selbst:

    Über die Pinsellängsseite malen
    Die Verwendung der Pinsellängsseite erleichtert den Auftrag eines gleichmäßigen dünnen Farbfilms. Hier entstehen weniger Schlieren als mit dem Malen per Spitze, da hier die einzelnen Pinselhaare großen Einfluss nehmen. Diese Möglichkeit haben sie beim Einsatz der Längsseite nicht!

    Bevorzugt auf Kanten hinarbeiten
    Es sollte immer entweder zu einer Kante oder in eine Vertiefung gearbeitet werden. Der über die Oberfläche gleitende Pinsel drückt die Pigmente vor sich her wie ein Besen den Dreck vor sich her schiebt. Dadurch verteilt sich der Dreck gleichmäßig da die Dreckbestandteile irgendwann ihren Weg durch den Besen gefunden haben. In dem Moment wo der Besen aber abgesetzt wird bleibt ein Dreckhaufen zurück. Dieser entspricht der Schliere. Man versucht deshalb diesen erst gar nicht entstehen zu lassen, indem man über die Kante abzieht oder in dort hin zu schieben wo er keine Rolle spielt, die Vertiefung wo er in der Regel vom Kontrast der Schattierung verschluckt wird. Schwierig wird die Pinselführung wenn man zwischen zwei Farben eines Farbverlaufs malen muss wie z.B. beim aussoften. Die nächste Kante oder Vertiefung in Richtung des Verlaufs kann nicht erreicht werden, ohne über diese beiden Farben zu malen denn das Malen über Längsseite erfordert eine Pinselführung auf der reinen Fläche. Hier muss der Pinsel in einer Art Wellenbewegung geführt werden so dass er nicht absetzt, bis er die Kante oder Vertiefung senkrecht zum Farbverlauf erreicht. (Schwierig zu erklären ich werde ein Bild nachliefern.)

    Unregelmäßiger Farbauftrag
    Malt man immer in die gleiche Richtung können sich leichte Schlieren schnell aufsummieren und dicke, sichtbare Schlieren ergeben. Man sollte deshalb die Richtung der Pinselführung immer leicht variieren, so dass sich Schlieren nicht aufsummieren sondern eher gegenseitig brechen. Man sollte hier aber beachten, dass der Farbauftrag in Zugrichtung intensiver wird. Sprich man sollte nur in die Längsrichtung variieren und nicht in die Waagerechte kommen.

    Gleichmäßigen, dünnen Farbfilm auftragen
    Dazu sollte man die Farbe zwischendurch immer wieder aufrühren, da sich auch verdünnte Farben immer absetzen. Schwachpigmentierte weniger stark als pigmentierte aber ein Absetzen ist immer vorhanden. Weitere Massnahmen sind das sorgfältige Abstreifen des Pinsels und das Malen über die Längsseite.

    Zu schnelle Farbkontraste vermeiden
    Grundsätzlich sollte man versuchen, gerade als Anfänger, den Verlauf in seiner Reihenfolge zu malen und so starke Kontraste zu vermeiden. Je größer der Kontrast desto eher sieht man eine Schliere. Malt man der Reihe nach einen Verlauf mit gemischten Zwischentönen minimiert man das Risiko mit den Schlieren zu kämpfen und diese mühevoll später aussoften zu müssen.

    Farbe immer trocknen lassen
    Es zeigt sich, dass man Farbe auch sehr schnell wieder mit einem feuchten Pinsel abziehen kann, auch wenn diese schon mal angetrocknet war. Ständig nasse Oberflächen begünstigen diesen Vorgang. Zu diesem Zweck sollte man immer mehrere Flächen gleichzeitig bemalen, so dass die Farbe zwischendurch genug Gelegenheit bekommt durchzutrocknen. Gelegentlich lohnen sich auch kleinere Pausen. Diese kann man dann nutzen, für einen Tee, ein Bierchen oder ein Posting im Bemalforum ^^

    Wechselseitig malen
    Diese Art des Malens setzt eine Beherrschung der Pinselführung voraus. Speziell der Wellenbewegung zum Aussoften von Übergängen. Man malt dann in mehreren Wiederholungen von Highlight zur Schattierung und zurück über die einzelnen Zwischenschichten. Man malt dann jede zweite Farbe und softet mit der Zwischenfarbe zwischen zwei Tönen aus. Im wechselseitigen Spiel in mehreren Wiederholungen entsteht so das Blending. Dabei werden Schlieren überdeckt und harte Übergänge ausgesoftet.
    Ok, soweit. Es fehlen noch viele Bilder und Anschauliche Graphiken, aber das Textkonstrukt steht auch wenn manche Passagen für den Anfänger und auch Fortgeschrittenen wahrscheinlich noch wenig Sinn machen. Zum praktischen Erlernen empfehle ich auch hier mal wieder das Besuchen eines Workshops
    Gruß GeOrc
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Replies to Artikel: Farben verdünnen WIP
  1. Sleipnir
    Gast

    Standard AW: Farben verdünnen WIP

    Nettes tut mit hilfreichen Tips - danke GeOrc!

  2. Standard AW: Farben verdünnen WIP

    Vielen Dank für die tips und Tricks
        

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