Dieser Artikel soll als eine Ergänzung angesehen werden und beschäftigt sich nur mit der Theorie der gängigsten mir bekannten Techniken. Er ist nicht auf Vollständigkeit geprüft.

Vorwort
Es gibt verschiedene Wege an die Bemalung einer Figur zu gehen. Von Bürsten über Inken/Tuschen bis hin zu Multilayering gibt es fachsprachlich wohl schon unzählige verschiedene Definitionen. Ich versuche hier ein wenig zu klären - ich hoffe mir gelingt dies in rein theorethischer Form.

1. Das Trockenbürsten
Anwendungsgebiete:
Figuren, Gelände, Basen, etc. - vor allem um hellere von vorangegangen dunkleren Farbschichten abzuheben.
Farben:
Alle Farben außer spezielle Inks/Tuschen möglich. In erster Linie "normale" Farben.
Vorteil:
Einfache Technik, geht schnell, kann auch schon beim Neueinstieg schöne Ergebnisse liefern, mit ein wenig Übung kann auch das Bürsten sehr schöne Ergebnisse liefern.
Nachteil:
Oft wird diese Technik unkontrolliert angewandt, was dann zu meist "unsauberen" Ergebnissen führt und den Gesamteindruck einer Figur stark nach unten ziehen kann.
Beim Bürsten ist meist ein Borstenpinsel von Vorteil. Man kann auch mit einem etwas größeren Feinhaarpinsel bürsten, dies führt aber meist zu einem sehr schnellen Verschleiß des Pinsels.

Der "Bürst-Vorgang" in der Theorie
Farbaufnahme erfolgt über den Pinsel, dieser wird danach so stark über einem Tuch abgestriefen und von der Farbe entfernt, dass die Farbe nur noch "staubartig" auf ihm vorliegt. Nun bürstet man je nach Wunsch - von oben nach unten oder von links nach rechts - über die gewünschte Figur/Modell/Gelände etc. Die "staubigen" Pigmente setzen sich an den Hervorhebungen der Figur/Modell/Gelände fest und lassen diese hervorstechen.



Als Grundlage für das Bürsten sollte man von Dunkel nach Hell arbeiten, da es anders herum keinen Sinn macht, weil man ja sonst die gewünschten hellen Stellen wieder dunkel "überbürstet". Somit ist eine dunkle Grundlage ein guter Start zum Bürsten. Hier mal ein Beispiel an einem Modell:







Varianten:
Wenn es ein Trockenbürsten gibt muss es auch ein "feuchtes" Bürsten geben, oder? Hierzu ist zu sagen, dass es unterschiedlichste Varianten gibt wie man die Farbe zum Bürsten aufnimmt. Das Trockenbürsten ist hier sicherlich der einfachste Weg. Wenn man die Farbe vorher minimal mit Wasser verdünnt, wird das Bürstergebnis nicht so stark staubig, jedoch dauert die "Abstreifphase" des Pinsels umso länger um ihm die Feuchtigkeit zu entziehen.

[Das Tuschen/Inken

Anwendungsgebiete:
Das Tuschen/Inken wird meist benutzt um Vertiefungen schnell und zügig von höheren Stellen der Miniatur abzuheben.
Farben:
Spezielle Inks/Tuschen von diversen Herstellern.
Vorteil:
Schnelle Ergebnisse.
Nachteil:
Inks glänzen oft, auch nach dem Trocknen. Laufen oft bei unsachgemäßem Gebrauch an Stellen, wo sie nicht hin sollen.

Der "Ink-/Tuschvorgang" in der Theorie
Farbaufnahme erfolgt über den Pinsel. Da Inks und Tuschen oft sehr flüssig sind empfiehlt sich ein vorangegangenes Abstreifen an einem Tuch bevor es an die Miniatur geht. Auch eine Verdünnung mit Wasser ist möglich um die Intensität der Tusche/Ink abzuschwächen. Beim Auftrag ist darauf zu achten, dass die Tusche gezielt an die Stelle gebracht wird, an die sie auch soll - in die Vertiefungen der Miniatur.



Hier mal ein Biespiel wie die Technik bei einem Modell aussehen kann:







Varianten:
Das Tuschen/Inken ist auch mit normalen Farben möglich. Hier spricht man oft vom Glazen oder Lasieren. Im Endefekt macht man sich durch eine mit Wasser verdünnte Farbe eine Ink/Tusche die nach dem Eintrocknen nicht glänzt. Diese Glazes/Lasuren werden auch oft für aufwendigere Techniken genutzt - hierzu aber weiter unten mehr.
Auch wird das Tuschen/Inken oft in Verbindung mit Metallfarben genutzt, um Ihnen eine nachträgliche Färbung zu geben oder eine Struktur durch das Hervorheben der modellierten Vertiefungen.

3. Das Akzentuieren
Anwendungsgebiete:
Gebräuchlichste Malweise im Hobbybereich auf Spieltischniveau. Weiterführende Techniken ist das Blending auf Vitrinenanspruch.
Farben:
Alle Farben möglich - abzuraten ist von Inks/Tuschen (Glanz und kaum Deckkraft!)
Vorteil:
Guter Effekt - einfach zu erlernen.
Nachteil:
Kaum einen! Ist in spezialisierter Form die Grundlage des qualitativ hochwertigen Malens.

Der Akzentuier-Vorgang in der Theorie:
Beim Akzentuieren wird von Dunkel nach Hell gearbeitet, d.h. auf einer dunkeln Basis beginnt der Vorgang und wird durch Zugabe eines immer heller werdenden Tons mit dem Ziel betrieben die markanten Merkmale (Stellen) eines Modells hervorzuheben.



Hier mal ein Biespiel wie die Technik bei einem Modell aussehen kann:













Varianten:
Durch stark wasserverdünnten Auftrag kann auch mit Glazes/Lasuren akzentuiert werden. Die Übergänge werden dadurch weicher und sanfter und bilden ein am Ende ein harmonischeres Gesamtbild, das bei Profis meist die einzelnen Farbschichten nicht zeigt, da die Übergänge sehr fein gearbeitet sind. Man spricht hier in Verbindung mit der nun folgenden Technik, dem Abschattieren vom sogenannten Blending.

4. Das Abschattieren:
Anwendungsgebiete:
Eine bevorzugte Technik um Stellen nachträglich zu tönen bzw. einzufärben.
Farben:
Alle Farben möglich.
Vorteil:
Nachträgliches Nacharbeiten ermöglicht die Ausarbeitung feinerer Farbunterschiede.
Nachteil:
Nur mit Übung zu genießen. Stark abhängig vom Erfahrungswert des Malers (Umgang mit Glazes/Lasuren)
Der Abschattierungsvorgang in der Theorie:
Beim Abschattieren einer kompletten Figur beginnt man mit einer sehr hellen Grundlage und zieht diese durch hauchzarte Glazes/Lasuren ins Dunkle. Hierbei arbeitet man zu den Schattenstellen hin.



Hier mal ein Biespiel wie die Technik bei einer Figur aussehen kann:











Varianten:
Diese Technik eignet sich mMn besonders gut um nachträglich Farbflächen eine gewisse Spannung einzuverleiben indem man sie vorsichtig "nachfärbt". Das nachträgliche Aufhellen ist hier ein guter Rat, d.h. im Nachinhein nochmalig die Lichtpunkte ähnlich dem Akzentuieren herauszuarbeiten und während des Vorgangs durch Zwischenstufen die Übergänge weicher zu gestalten.

5. Das "Kanten-Akzentuieren"
Anwendungsgebiete:
Ähnlich dem Akzentuieren - hebt Kanten der Figur stark hervor.
Farben:
Alle Farben möglich - abzuraten ist von Inks/Tuschen (Glanz und kaum Deckkraft!)
Vorteil:
Figuren wirken auf die Entfernung durch die Betonung der Kanten gut
Nachteil:
Kaum einen! Ist bei professioneller Anwendung unter Einbezug von Licht und Schatten eine Grundlage des professionellen Malens. Bei zügiger Anwendung ohne Einbezug der Licht- und Schattentheorie wirken die Figuren leider oft unsauber.
Der "Kanten-Akzentuierungsvorgang in der Theorie"
Beim Kantenakzentuieren werden meist alle vorhandenen Kanten am Modell nachgezogen. Dies führt dazu, dass die Figur in ihrer Deutlichkeit der Konturen wirkungsvoller wird. Die Farbe wird mit dem Pinsel aufgenommen und über die Kante gezogen. Hier passiert oft der Fehler, dass man mit der Spitze des Pinsels den Akzent ziehen will - dies führt meist zu wackeligen Ergebnissen. Nutzt man aber die Fläche des Pinsels und zieht diese ca. im 45° Winkel über die Kante so wird das Ergebnis nach ein wenig Übung sauber und fein.



Hier mal ein Beispiel wie die Technik an einem Modell aussehen könnte - zügig ausgeführt:
*Bild wird nachgereicht*
Varianten:
Um diese Technik auf hohem Niveau einsetzen zu können ist wohl lange Übung notwendig - ich meine nicht an der Technik an sich, aber das Zusammenspiel von verschiedenen Techniken und das Wissen von Farben und ihrem Auftrag, Farbzusammenspielen (Farbenlehre) und dem Wissen und anwenden können einer klaren Lichtsituation auf einer Figur.

6. Fazit
Man kann mMn keine der oben aufgeführten Techniken als das Non-Plus-Ultra bezeichnen. Jede Technik hat ihre Daseins-Berechtigung, da sie für spezielle Anwendungen und gezielt angestrebte Ergebnisse genutzt wird.
Das idealste Gefälle das man zwischen den verschiedensten Techniken anstreben kann, ist die Zusammenführung der jeweiligen Vorteile. Dies erfordert ungemein Übung und ist sozusagen das "Gelbe vom Ei". Durch Experimente entwickelten sich aus den oben genannten "Grundtechniken" auch weitere Formen, wie das Wetblending oder das Feathering.
Beste Grüße
jar