Artikel: Marmor malen...

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    Marmor malen...

    Schwierigkeitsgrad/Severity
    leicht/easy
    Sprache/Language
    Deutsch/German
    Vor zwei Jahren, als ich mein römisches Zimmer nach Originalvorlagen gebaut habe, brauchte ich auch Vertäfelungen aus Marmor.

    Marmor gilt ja nicht ganz zu Unrecht als eine der am schwierigsten zu malenden Materialien – heute will ich mal zeigen, wie ich das gemacht habe:

    In einer alten Kirche in Südtirol hatte ich ein Vorbild fotrografiert, dass farblich zu meinem Projekt passte.

    Auch hier handelt es sich um gemalten – also keinen echten – Marmor!



    Gut, erst einmal müssen die Marmor-Kassetten selbst aber hergestellt werden. Dafür kann man „Plasticard“ nehmen, oder auch – wie ich – eine alte Startnummer einer Oldtimer-Rallye „schlachten“ (Dicke 1,5 Millimeter).



    Das Ausschneiden mach’ ich mit einem Skalpell. Schere ginge auch. Aber beim Schneiden mit der Schere würden sich die Platten wellenförmig verbiegen.

    Anschließend werden die Dinger angepasst und die Schnittkanten abgerundet.



    Dann wird grundiert:



    Nun kommt das Eigentliche:

    Ich beginne damit, den beiden „Kassetten“ einen rosafarbenen Grundanstrich zu verpassen.

    Dabei ist es mir sehr wichtig, unbedingt einen sozusagen „verwandten“ Farbton zu erstellen, also möglichst Farben zu verwenden, die an der bereits fertigen Wand schon einmal zum Einsatz gekommen sind. Sonst wird das Ganze am Ende garantiert zu bunt.

    Mein rosa Grundanstrich entsteht also aus Citadels „Red Gore“ (ist in den roten Feldern verwendet worden) und Citadels „Bleached Bone“ (Farbe der äußeren Umrandung).

    Das gibt im Verhältnis 1:1,5 (tatsächlich, weniger Rot, mehr Elfenbein!) ein schönes Rosa.

    Voilá, das hätten wir schon mal.



    Nachdem die Farbe fast (FAST!) ganz trocken ist, gebe ich eine stark verdünnte und zuvor kräftig mit „Light Flesh“ aufgehellte Brühe mit dem Pinsel drauf, das gibt eine richtig wässerige Brühe, wie Ihr sehen könnt. In dem „Wasserbad“ verläuft die Farbmilch nahezu nach allen Seiten – und das soll sie ja auch.



    Ist nach zehn etwa zehn Minuten viel von dem Wasser abgetrocknet (man kann auch nachhelfen, indem man die Brühe mit der Ecke eines sauberen (!) Küchentuches vorsichtig abnimmt…), gehe ich mit einem schön nassen zweitem Küchentuch, das ich mir zu einer Art „Stempel“ zusammen gerödelt habe, leicht tupfend über das Werkstück. Unregelmäßig, aber flächendeckend.
    Das ist eine leicht abgewandelte Form meiner „Wischtechnik“, ich will sie mal „Tupftechnik“ nennen…

    Das Gleiche „Tupfen“ wiederholt sich dann mit einer anderen Farbkombination, indem ich nämlich zur Grundmischung Vallejo „Saddle Brown“ hinzu gebe und wie bereits dargestellt verfahre.
    (Übrigens ist auch dies eine „verwandte“ Farbe, sie steckt ebenfalls in den roten Feldern.)

    Dritter Durchgang mit „Light Grey“ (Vallejo155).

    Ich wechsle das nasse Küchentuch dabei nicht aus, sondern tupfe immer wieder mit der selben – nun reichlich farbverschmutzten – Stelle. Kein Problem, der Effekt, der so entsteht, ist erwünscht.

    Irgendwann hab’ ich das Gefühl „Nu is aber genuch!“ und lasse das ganze Zeug restlos trocknen.



    So, jetzt liegen diese schönen Dinger also vor mir - eine gute Basis zum Verzieren mit Rissen, „Verlaufern“ und anderen Unsauberkeiten, die das Material Marmor ja derart einzigartig machen, dass es in allen Geschichtsepochen – bis heute! – als dekorative Inneneinrichtung verbaut wird.

    Ich beginne mit einer SEHR wässrigen Brühe aus „Pale Greyblue“ (Vallejo907) und ziehe dicke, unregelmäßige Striche, beziehungsweise „Pfützen“.
    Effekt: Beim Trocknen bleibt vor allem ein heller Rand der so erzeugten „Pfützen“ stehen.

    Zweiter Durchgang:
    Dünne Striche mit einer Mischung aus „Pale Greyblue“ und „Bleached Bone“ und einem 000-Pinsel. Diese Striche verlaufen ganz bewusst in „Tuchfühlung“ mit den zuvor erzeugten Mustern und ebenso bewusst nicht geordnet sondern sizusagen „frei Schnauze“ in alle Richtungen (ausgenommen natürlich horizontal oder vertikal).

    Dann wiederholt sich das Ganze noch mal mit dünnen Strichen, diesmal gemischt aus Schwarz (Vallejo 169) und „Greyblue“.

    Nach dem Trocknen ergibt sich dann ein Bild, das schon ganz nah an meinen Vorstellungen ist.



    Schließlich kommen noch drei Durchgänge meiner „Tupftechnik“, um die Effekte abzumildern und zugleich die Marmorstruktur noch mal zu betonen.

    Erster Tupfdurchgang mit der stark verdünnten Grundfarbe.
    Zweiter Durchgang mit der durch Weiß (Citadel 61-54, „Skull White“) aufgehellten Grundfarbe.

    Der letzte Tupfdurchgang besteht aus KRÄFTIG mit Weiß aufgehellter Grundfarbe.



    Zum Schluss bekommen die Stücke noch einen dünnen schwarzen (dekorativen?) Rand, wie auf meinem Vorbildfoto. Den Rand zeichne ich zwar mit Bleistift vor, male ihn aber wiederum frei Hand.



    Zum Schluß dann ein dünner Anstrich mit Klarlack. Das bringt die Farben zum Leuchten und gibt ihnen auch mehr "Tiefe"...:



    Und so sieht das Ganze dann fertig aus….:





    Ach ja: Die Wände des Zimers sowie der Boden bestehen aus selbstgegossenen und – nach Vorbildern – bemalten Gipsplatten.


    //EDIT by BlackCherry: Der Link zum Tutorial aus dem Forum (klick mich).
    Martin



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  1. Standard AW: Marmor malen...

    Ich habe mich registriert, nur um diese Antwort zu schreiben. Martin, vielen Dank für Deine Anleitung. Seit Wochen stöbere ich im Internet in verschieden Sprachen, um zu lernen, Marmor zu malen. Deine Anleitung ist die beste. Nochmals danke sehr.
    Liebe Grüße,
    Krys
        

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