Hallo liebe Pinselfreunde,
ein Thema das sich bei jeder gestalterischen Tätigkeit insgeheim miteinschleicht und die Wirkung enorm steigert oder auch nicht: die Gesamtkomposition eines Werkes.
In erster Linie rühren diese Theorien aus der vergangenen Kunstgeschichte und sind durch diese und ihre Entwicklung gefestigt worden. Hauptsächlich wirkt eine ausgewogene Komposition immer positiv auf das Werk, aber auch auf Figuren, Basen und Dioramen können gewisse Regeln oder Anhaltspunkte auf das Ergebnis einwirken. Beachtet bitte dabei, dass sich diese Theorie nicht nur auf das Erstellen von Basen bezieht sondern ebenso genauso für Farben und ihre Kontraste anwenden lassen.
Ich werde hier versuchen einige grundlegende kompositorischen Kriterien und Merkmale zu erläutern und diese dann einzeln immer in der Theorie auf unser Hobby übertragen (das wird fett markiert sein ).
Los geht's...
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1. Hell-Dunkel
Da wir ja mit Farbe arbeiten ist als Grundlage derer, eine Abwechslung das größte Stilmittel, welches dem Figurenmaler zur Verfügung steht. Hier fließen Farbenlehre und Wissen über Farbkontraste und dessen Erfahrung in der Anwendung mit ein.
Eine wichtige Grundlage geht hier vom Hell/Dunkel Kontrast aus. Auch wenn dieses Thema eher in die Richtung Farbenlehre geht, spaziert auch der Hell-Dunkelkontrast, ebenso wie alle weiteren Bereiche der Farbenlehre mit den Grundlagen der Komposition Hand in Hand. Man kann aber die Behauptung aufstellen, dass beim Arbeiten mit Farbe dieser Kontrast der Wichtigste von allen ist. Man stelle sich eben mal schnell eine Figur vor die komplett in Bleached Bone bemalt ist - da fehlt es neben der Abwechslung einfach an einer Ausarbeitung von Hell-Dunkel um genaueres erkennen bzw. ausmachen zu können. Ebenso ist dieser Kontrast auch bei den weiteren Gedanken zur Komposition ein Schlüssel (mehr dazu aber später).
Hier kommt der Kontrast des Hellen zum Dunklen ins Spiel:



Nehmen wir an, wir haben eine Figur, welche ein wallendes Hemd und darüber eine Weste trägt. Wenn man nun beides hell hält, wird der Unterschied hier nicht deutlich. Es ist Abwechslung von Nöten, z. B. eine helle Weste und ein dunkles Hemd oder andersrum. Dieser Leitsatz, lässt sich weiterführen über Lederbänder, etc. etc. Es hilft ungemein, wenn man sich diese Abwechslung immer wieder vor Augen führt und sie in seine Arbeit miteinbezieht - es wird die Figur deutlich interessanter machen.




Unter Einbezug der Theorie des Lichts auf einer Figur - siehe *Link folgt noch* kann man durch diesen Wechsel im Bereich der Einzelheiten, sowie auch im Bereich der gesamten Figur (z. B. von Kopf bis Fuß einen Unterschied in den Helligkeiten der einzelnen Partien; Lederband am Hals hell, Lederband am Fußknöchel dunkel) erzielen.
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2. Symetrie und Asymetrie
Symetrie meint 2 gleichförmige Teile, die sich über eine Symetrieachse spiegeln.



Im Bereich der Figurenmalerei ist dies meist auf die Base zu beziehen:
- 2 Grashalme links und rechts neben der Figur sehen höchstwahrscheinlich recht blöd aus
- Dagegen können aber zwei Totenschädel, links und rechts neben der Figur (Symetrieachse) z. B. einen Totenbeschwörer hervorheben und einen Eindruck einer von ihm so gewollten Positionierung der Schädel hervorrufen und die Figur ins Zentrum stellen.
Asymetrie meint das Chaos ohne Ordnung. Das heißt die Teile liegen recht zufällig herum und es gibt so kein klares Bild einer gewollten Ordnung.



Bei Figuren bzw. ihren Basen erzeugt dies meist ein natürlicheres Bild als symetrische Anordnungen.
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3. Reihung und Muster
Gleiche Teile nebeneinander im gleichen Abstand angeordnet ergeben auf der einen Seite eine Reihung, können aber in ihrer Häufung auch ein Muster geben.



Übertragen auf unser Hobby, kann ein solches Muster oder eine Reihung zum Beispiel bei einem Diorama mit Säulengang gefunden werden oder auch im kleinen Bereich wie einem Base, indem man z. B. ein angelegtes Blumenbeet darstellen möchte.
Kombiniert man nun die Symetrie mit der Reihung oder dem Muster und möchte noch ein wenig Abwechslung einbringen so erhält man den symetrischen Rhytmus.
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6. Rhythmus
Rhythmus meint eine abgestimmte Abfolge immer wiederkehrender Teile. A B C A B C A B C...




Der Rhythmus unterstützt die Wirkung einer gewollten Lage von Teilen z. B. auf einem Base oder in einem Diorama - bringt z. B. mehr Abwechslung ins Blumenbeet oder den Säulengang.
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5. symetrischer Rhythmus
Der Symetrische Rhythmus meint, ausgehend von einer Symetrieachse wieder die gleiche Häufung verschiedener Teile in gleicher Reihenfolge um die Achse herum.



Für uns bedeutet das, dass man mit einem solchen symetrischen Rhythmus die Möglichkeit hat die Eigenschaften der Symetrie, z. B. auf Basen noch zu verstärken, aber währenddessen noch mehr Abwechslung einzubringen (z. B. Ein Totenbeschwörer, links + rechts ein Schädel, daneben jeweils auf jeder Seite eine Kerze um die Altarwirkung noch zu verstärken).
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6. Häufung, Streuung und Schwerpunkt
Eine Häufung meint eben das: einen Haufen an einem Fleck.



An Figuren, kann ein solcher Haufen, z. B. Totenschädel wie gesammelteTrophäen wirken. Dort wo ein Haufen sich bildet wandert das Auge automatisch hin.
Eine Streuung meint das Auflösen eines Haufens zum Ziele der Schwerpunktbildung.




Das heißt auf Figuren bezogen, wenn ich einen Haufen nicht als einzelnen Fokuspunkt haben möchte, kann man einen zweiten kleinen dazu machen oder auch mal etwas einzeln, ein Stückchen weiter weg legen ---> das lässt das Auge arbeiten und macht somit interessanter.
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7. Formen- und Mengenkontrast
Ebenso wie Farben zueinander Kontraste bilden können, gibt es Kontraste die von Dingen ausgehen können, z. B. groß und klein oder auch der Kontrast der Form an sich.
Durch das Bestimmen der Mengen bzw. dem Auftauchen einer bestimmten Form im Gegensatz zu einer anderen kann man ebenso Schwerpunkte setzen.




Auf die Gestaltung bei Figuren bezogen heißt das z. B. bei 3 Totenköpfen auf einem Base fällt ein Tennisball daneben mehr auf als die Totenköpfe.
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8. Das Kraftdreieck
Wie im Punkt Symetrie schon erwähnt, dient diese zu einem gleichmäßigen Gesamtbild. Oft ist es daher ratsam sich nicht auf eine gerade Zahl an Teilen zu konzentrieren, da hier oft die Andeutung von Symetrie - auch wenn sie nicht gewollt ist - entstehen kann.
Spannungen werden durch das sogenannte "Kraftdreieck" hergestellt, indem 3 Teile einen Spannungsbogen erzeugen. Das kann natürlich fortgeführt werden mit 5, 7, 9, etc. Bei der Wahl eines einzelnen Teils, dass für sich alleine steht fällt der Fokus sofort auf dieses - auch das gilt es zu beachten.



Auf Figuren bezogen bedeutet das in diesem Fall, dass 4 Gräser die um eine Figur herum wachsen nicht das Interesse des Betrachters wecken - zumindest nicht so stark - wie 3 Gräser die aufgeteilt auf dem Base evtl. sogar den Schwerpunkt mitbestimmen.
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Schlusswort - Teil 1
Ich hoffe dieser kleine Ausflug in diese Theorie kann dem ein oder anderen bei Planungen seiner Werke dienlich sein. Wichtig ist, das dieser Leitfaden sicherlich nicht das gelbe vom Ei ist und jeder immer noch nach persönlichem Geschmack und Urteil gestalten sollte. Vielmehr sind diese Ausführungen als Anregungen gedacht.

Ich werde in geraumer Zeit diesen Artikel noch weiter ergänzen und in Richtungen Proportionen zueinander, Linienführung, etc. ergänzen.
Grüße
jar