Dies ist die Fortsetzung von Blending Tutorial Teil 1a - Theorie und Wissen

Teil b befasst sich nun mit einer sehr wichtigen Sache und zwar mit dem Farben mischen. Wie schon in Blending Tutorial Teil 1a beschrieben, ist der erste Schritt zu einem Blending die Fähigkeit sich 5 bis 7 Farbtöne anzumischen, die möglichst nahtlos ineinander übergehen, zumindest so gut das eben möglich ist bei einer Aufteilung von 5 bis 7 Farbtönen. Hierbei werden gerne Fehler gemacht wie folgt.


Häufige Fehler:


- Schlechte Farbmischung.

Sieht der Farbverlauf auf der Palette bereits nicht homogen aus, wird er es auch nicht auf der Figur tun. Hier sieht man wie es nicht aussehen soll.



Die Farben, die ich hier vermischt habe sind Yellow Olive von Vallejo Game Color (dunkles Olivegrün), Golden Olive Vallejo Model Color (helles, normales Olive) und Weiß von Vallejo Game Color zum Aufhellen. So sieht es nach einmaligem Durchmischen aus. Das reicht noch lange nicht aus. Die ersten 3 Farbtöne sehen fast gleich aus, Farbton 4 und 5 ebenfalls, es gibt weder eine Anbindung an die dunklen Farben, noch eine Anbindung an die hellen Farbtöne.

Das ist also das Paradebeispiel einer ganz schlechten Mischung.

Hier ein Beispiel für eine gute Mischung:



Bitte ignoriert das helle Olivegrün im oberen Teil der Palette, das habe ich dort ausgelegt, weil ich noch mehr von einem hellen Mittelton benötigte und somit habe ich es pinselspitzenweise von dort weg genommen und meinen Mitteltönen davon etwas hinzu gefügt, für eine höhere Sättigung.

Wir sehen hier also einen einigermassen feinen und stufenlosen Verlauf auf der Palette ausliegen.

Dann habe ich mir einen Pinsel Gr.1 genommen und dann habe ich einen Farbton nach dem nächsten mit nur einem einzigen Pinselstrich auf ein Stück Aquarell Papier gemalt und zwar zügig.

Zügig heißt: Pinsel in die erste Farbe (das ganz dunkle Grün) getaucht, Strich gemalt, mit trockenem WC Papier, den Pinsel kurz abgewischt (nicht ausgespült!!!), 2ten Farbton aufgetragen, mit trockenem WC Papier nur das Gröbste eben schnell abgewischt usw.

Wenn man in dieser Art zügig die Farbe Strich für Strich nebeneinanderlegt, dann vermischt sich die noch feuchte Farbe ein bißchen miteinander und das Ergebnis nach je einem einzigen Pinselstrich sieht dann so aus:



Wohl noch nicht so ganz das perfekte Blending, aber ein ziemlich guter Anfang für ein Blending

Wohlgemerkt: Ein Pinselstrich!!! Um ein perfektes Blending zu malen braucht es deutlich mehr als nur einen einzigen Pinselstrich, aber die Farben so aufzutragen wie sie vor einem ausliegen bildet hierfür eine sehr gute Basis, die auch schnell gemalt ist.

Links und rechts von dem Farbverlauf habe ich mal einen Pinselstrich nur mit der Schattenfarbe gemacht und einen nur mit der hellsten Highlightingfarbe, damit man erahnen kann wie in etwa die Konsistenz hier ist: Flüssig aber deckend nach einem einzigen Pinselstrich (sahnige Konsistenz auch oft cremig genannt).

Wem das jetzt zu entsättigt aussieht und wer lieber gerne gelbliche Highlights hätte braucht nun einfach nur ein Gelb mit rein mischen.
Ich habe hier so eine Art Neongrüngelb dafür ausgewählt und das mal weiter oben wieder auf der Palette platziert und es dann einfach bei Highlights und den hellen Mitteltönen auch wieder pinselspitzenweise hinzu gemischt und das sieht dann so aus.



Wie man sieht ist das ein deutlich kräftiger (mehr gesättigt) und auch wärmerer Farbton. Anstelle des Weiß könnte man auch Bleached Bone, Khaki, Sand, Beige, Filthy Brown oder Ähnliches zum Aufhellen nehmen. Einfach mal rumprobieren und gucken was das eigene Auge erfreut.

Gemalt sieht es dann so aus (der zweite gemalte Farbverlauf hier, ist der mit Gelb mit drin):



Jetzt denkt man sich..."Naja bißchen Blau in den Schatten wäre vielleicht nicht schlecht". Kein Problem, dann machen wir das mal. Genauso wie eben, legt man sich einen Tropfen Blau auf die Palette und rührt das Blau auch wieder nur pinselspitzenweise in die beiden Schattenfarben mit rein und zu einem sehr geringen Anteil noch in die dunkleren Mitteltöne. Hierbei ist immer auf die Anbindung von einem Farbton zum anderen zu achten.

Fertig sieht es dann so aus:



Gemalt so (das untere der 3 Beispiele):




Der Vielfalt an Kombinationsmöglichkeiten sind da praktisch kaum Grenzen gesetzt.
Man darf es nur einfach nicht übertreiben wollen und muss sehen daß alle Farbtöne die man wünscht sich miteinander zu so einem gleichmäßigen Farbverlauf anmischen lassen.

Mit ganzen Farbtropfen arbeitet man nur für die Basismischung. Hier mal ein Foto wie das alles ganz zu Beginn bei mir auf der Palette aussieht:



Später wenn man die Farbtöne aneinander anpassen will oder einige Farbtöne etwas abändern will wie ich es mit dem Gelb und dem Blau gemacht habe, verwendet man die kräftigen und dunkleren Farben nur noch in einer sehr geringen Dosis. Eine bis zwei oder drei Pinselspitzen voll mit in die Basismischung gerührt reichen meist aus!

Hier nochmal ein Beispiel in Blau, von Anfang an:



In der unteren Reihe 3 Vertiefungen mit Dark Prusia Blue (Vallejo Model Color) und in den 4 anderen Vertiefungen nichts weiter als Weiß. Obere Reihe: 1 Tropfen Schwarz plus zusätzlich einen weißen rechts aussen. Warum wird gleich klar.



Jetzt nehmen wir mal an, jemand möchte aber einen höheren Tiefenkontrast bei dem Blau haben. Wir erweitern also die Schattenfarbe um ein Pinselspitzchen Schwarz und erzeugen gleichzeitig noch einen oder sogar 2 Farbtöne mehr für das Highlighting mit dem Weiß oben rechts (nur bei sehr grossen Flächen nötig). So in etwa:



Bei dem zweiten gemalten Farbverlauf erkennt man nun das was man einen höheren Tiefenkontrast nennt. Gleichzeitig ist das Blau ein wenig entsättigter was an der Beigabe von dem Schwarz liegt. Man bemerkt auch dass der zweite, tiefere Farbverlauf auf gleicher Fläche gemalt deutlichere Absätze im Farbverlauf aufweist als das erste Beispiel. Das genau ist das Problem bei Blendings mit hohem Tiefenkontrast. Man muss sie lange ausarbeiten bis sie richtig smooth sind. Das allerdings ist reine Übungssache und man kann ja etwas kleiner und bescheidener anfangen und sich allmählich im Laufe der Zeit steigern.

Leider sieht man die Farbunterschiede hier auf den Fotos nicht soooo gut, aber ich glaube schon dass jeder versteht was gemeint ist mit einem möglichst homogenen Farbverlauf der angemischt werden soll.

Hier noch ein Beispiel mit Hautfarbe nur das der Verlauf andersherum ausgelegt ist. Das ist also gehupft wie gesprungen:



Farbtöne die entsättigen:
- Grau
- Braun
- Schwarz in dem Fall wo Weiß in der Mischung drin vorkommt, den das ergibt ja Grau.

Dominanz von dunklen Farben:


Dunkle Farben sind gegenüber hellen dominant. An sich keine überraschende Neuigkeit. In der Miniaturen Malerei mit Acrylfarben wo insbesondere viel mit transparenten und halbtransparenten Lagen gearbeitet und viel gemischt wird aber eine sehr wichtige Tatsache.

Die meisten Maler streben einen hohen Tiefenkontrast bei der Bemalung an und wenn sie mit stark verdünnten Farben arbeiten und nicht differenzieren zwischen hellen und dunklen Farben und dieselbe Konsistenz für helle wie für dunkle Farben verwenden ergibt sich folgendes Problem:

- Eine dünne Lage dunkle Farbe dunkelt ungefähr 5 mal so stark wie dieselbe Konsistenz helle Farbe aufhellt. Wichtig zu wissen für die Layering Technik, bei der dünne Schichten Acrylfarbe überlappend aufeinander geschichtet werden.

- Dunkle Farben sollten also immer etwas dünner verwendet werden als helle. Hellere Farben dürfen gerne mal etwas dicker aufgetragen werden.
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Dunkle und helle Farben mischen:

- Auch beim Farben mischen muss man die Dominanz der dunklen Farben mit einkalkulieren. Will man eine dunkle und eine helle Farbe vermischen und soll der exakte Mittelton aus beiden Farben entstehen wird man immer mehr der hellen Farbe der Mischung beigeben müssen um dieses Ziel zu erreichen.

- Um helle Farben abzudunkeln braucht es viel weniger dunkle Farbe als es helle Farbe benötigt eine dunkle Farbe aufzuhellen. Bitte immer im Gedächtnis behalten, das spart Farbe beim Mischen und erspart Frust bei den Anfangsschwierigkeiten.

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Die Eispalette:


Nachdem ich so viel über das Farben mischen geredet habe, fragt sich bestimmt schon der Eine oder Andere wie das mit dem Mischen am besten vor sich geht und auch welche Art von Palette für diese Methode geeignet ist.

Ich möchte euch hier ein Werkzeug vorstellen, daß nicht besonders bekannt ist, weil es Teil meiner ganz eigenen Art zu malen ist. Ich nenne es die Eispalette. Es handelt sich hierbei um eine Metallpalette mit Vertiefungen die auf einem Kühlakku aufliegt. Das Eis hält die Farbe länger feucht und damit ist das Prinzip fast das Gleiche wie bei der Nasspalette.

Von dieser Eispalette gibt es 2 Varianten.

1. Eispalette Klassisch:

Dafür braucht man eine Metallpalette aus dem Hobbybedarf, kann man zum Beispiel hier bestellen:

Metallpalette

- Einen möglichst grossen Kühlakku. Die dicken, grossen Kühlakkus halten ungefähr 2 Stunden. Man sollte also 2 davon haben zum Wechseln.
- Alufolie

Die Metallpalette stramm mit Alufolie umwickeln (nicht zuviel damit die Kälte noch weitergeleitet werden kann), dann mit zerknülltem WC Papier die Vertiefungen "modellieren", die Palette mit einem Gummiband auf den Kühlakku schnallen und ein Handtuch drunter legen oder ähnliches weil es unter dem Kühlakku natürlich nass wird mit der Zeit.

Wie genau mischen: Dominanz der dunkleren Farben berücksichtigen. Grundsätzlich weniger dunkle Farben auf der Palette auslegen als helle. Im Blau Beispiel sieht man ja gut das Verhältnis.

Im Prinzip geht man mit dem Pinsel von Vertiefung zu Vertiefung und mischt auch mal bei Bedarf nur zwischen 2 oder 3 Farben die nebeneinander sind hin und her. Dabei kann man den Pinsel so belassen, also nicht zwischendurch sauber machen oder man muss ihn ab und an mal kurz auswaschen um eine sehr kontrollierte geringe Menge eines Farbtones aufnehmen zu können. Grundsätzlich braucht es etwas Übung bis man das gut hinbekommt. Ich brauche round about 10 Minuten bis ich mir so einen guten Farbverlauf auf der Palette angemischt habe, das ist also nicht getan mit ein bißchen hier drin rumrühren und da drin rumrühren. Man muss da öfter mal hin und her mischen.

Reinigung: Einen Klopapier Knäul machen, mit einem Ende ins Malwasser dippen und einfach abwischen. Wenn man die Farbe nicht hat eintrocknen lassen, dann kann man sie vollständig auf diese Art und Weise entfernen.

Zu beachten:
Wenn die Farben am Rand der Vertiefungen eintrocknen, mal ab und an mit einem Pinsel der etwas Wasser enthält (Wassermenge ist Gefühlssache) neu durchrühren und wieder verdünnen. Die Mischungen werden im Laufe der 2 bis 3 Stunden wo man die Palette benutzt also immer dünner und müssen irgendwann erneuert werden. Dann einfach abwischen wie beschrieben. Es ist also nicht nötig jedesmal neue Alufolie zu nehmen!!! Denkt an unserere Umwelt. Mit einer Umwickelung kann ich monatelang hinkommen, wenn sie keine Risse bekommt.


2. Eispalette Advanced:

Die Weiter Entwicklung dieser Eispalette gipfelte dann irgendwann hier drin:

Eispalette mit Buntstifte Deckel


Fand ich tatsächlich eine zeitlang besser als die klassische Variante, jedoch ich bin inzwischen wieder zurückgekehrt zur klassischen Variante, weil bei der Variante mit dem Buntstifte Deckel alles irgendwie zu unkontrollierbar wurde dadurch dass sich Wasser auf der Palette bildet im Laufe der Zeit und dann verläuft da alles wüst und wild. Vertiefungen sind da deutlich praktischer habe ich festgestellt. Aber vielleicht sehr ihr das ja anders und somit könnt ihr ja beide Varianten mal versuchen.

Reinigung siehe oben.

Eispalette vs. Nasspalette


Der Vorteil den ich gegenüber der Nasspalette sehe sind die Vertiefungen auf der Palette. Ich kann den ganzen Farbverlauf auf der Palette anmischen ohne das sie Farben unkontrolliert auf der Palette ineinander laufen. Ich kann in den Farben oft rumrühren ohne Befürchtung zu haben es könne sich die Beschichtung vom Backpapier lösen welches für Nasspaletten verwendet wird.

Ich habe maximale Kontrolle über die Helligkeit der Farbtöne da sie in einer Reihe alle auf einmal sichtbar vor mir ausliegen. Somit weiß ich also Farbton 3 ist heller als 2 und dunkler als 4. Acrylfarben sind im nassen Zustand etwa 2 Nuancen heller als sie auftrocknen wodurch es oft zu Fehlern kommt. Man meint man hätte eine helle Farbe auf dem Pinsel und sieht erst nach dem Trocknen einen Absatz im Farbverlauf, weil die Farbe viel dunkler ist als man annahm.

Somit ist es wirklich sehr hilfreich alle Farben in der richtigen Reihenfolge vor sich ausliegen zu haben. Bei der Nasspallette geht das natürlich auch aber besonders dünnere Farben verlaufen gerne ineinander auf der Nassalette.

Des Weiteren fällt es mir sehr viel leichter die Konsistenz einzuschätzen bei der Eispalette. Das wiederum hat aber wahrscheinlich damit zu tun daß ich die Eispalette fast ausschließlich und schon seit Jahren verwende. Möglicherweise kann ich deshalb auch einfach besonders gut damit arbeiten.


Nasspalette vs Eispalette:

Selbstverständlich funktioniert das Prinzip auch auf einer Nasspalette. Die Vorteile gegenüber der Eispalette liegen in der Zeitdauer in der die Farbe die gewünschte Konsistenz hat. Das ist eine Schwäche der Eispalette. Bei der Eispalette muss man öfter mal die Farben neu mit Wasser verdünnen und das ist bei der Nasspalette seltener der Fall. Die Konsistenz bleibt über einen längeren Zeitraum so wie man sie sich angemischt hat.

Bei der Eispalette verändert sie sich. Im Winter trocknet sie schneller mal ein, im Sommer wässert die Eispalette auch mal stark wenn das Eis zu schnell schmilzt. Es gibt also auch in der Palettenfrage für jede Palette ein für und wider. Am besten man verwendet beide dann ist man gut gerüstet. Wenn man mit stark verdünnten Farben arbeiten möchte ist die Eispalette sehr gut geeignet und wenn man dickere Farben verwendet ist die Nasspalette von Vorteil.

Hiermit endet der erste Teil des Blending Tutorials.

Viel Spaß

Vorschau auf Teil 2 des Blending Tutorials:

- Maltechniken im Detail (Layering, Wetblending, Kreuzstrich, Washes, Lasuren/Glazes etc. pp)
- Pinselführung (Farben ziehen/schieben)
- Farbkonsistenz im Detail (wann welche Konsistenz und warum)
- Bemalen schwieriger Details (sehr kleine Details zum Beispiel)
- NMM (Non Metallic Metal Gold und Stahl)
- Jo und was mir sonst noch so alles einfällt bis dahin....